Donnerstag, 31. Dezember 2015

Zukunftsvision

Wir sitzen da und verfluchen dieses Jahr. Warum wir wieder den 31. Dezember haben, und immer noch hoffen, dass das nächste Jahr endlich besser für uns wird. So wie wir es schon vor fünf Jahren getan haben. Wir werden all die Verluste und Niederlagen der letzten 365 Tage aufzählen, und immer mehr erkennen, wie sehr uns all das gezeichnet hat. Wir könnten Nummern und Chats von Menschen löschen, die uns längst vergessen haben, aber wir schaffen es nicht. Betrunken und vom Verstand verlassen, werden wir in der nächsten Nacht alte Nachrichten lesen und wir werden alles fühlen, was uns lange dieses Jahr verfolgt hat und es wahrscheinlich noch bis heute tut. 
Es wird weit nach Mitternacht sein und es ist immer noch alles beim alten. Die Dinge ändern sich nicht und die Erinnerungen bleiben, die Probleme werden nicht kleiner, und wir werden weiterhin die gleichen Dinge träumen wie seit Wochen. Unsere Herzen werden gebrochen bleiben und wir werden weiterhin versuchen all das zu verdrängen, jeden Tag aufs Neue, 365 Mal. 
Wir können nächstes Jahr die Stadt verlassen und so naiv sein zu glauben, dass uns diese Flucht vergessen lassen wird. Dass wir uns selbst finden und unseren Wert erkennen. Wir können dann nach Monaten wieder kommen, und die Realität wird uns einholen. Wir suchen uns neue Jobs und neue Unis, neue Freunde und vielleicht, ganz vielleicht treffen wir jemanden, dem wir aber niemals eine Chance geben werden, weil wir nach Flucht und Rückkehr und Neubeginn und Selbstfindung immer noch auf etwas hoffen, was wir lange verloren haben. 

Wir können heute Nacht in den Himmel schauen und an das denken, was wir letztes Jahr um die Zeit gesagt haben. Die Person hält dich aber nie mehr um dich zu küssen. Du hast nicht mehr Sport gemacht und du rauchst und trinkst immer noch mehr als gut ist. 
Wir finden uns damit ab, dass es nichts ist als ein neues Datum. Wir können das Jahr nicht schließen und wegwerfen, wie einen alten Kalender. 
Wir werden Ende nächsten Jahres da sitzen und das Jahr verfluchen. Alle Niederlagen und Verluste der letzten 365 Tage aufzählen. Und dabei immer noch mit dem kämpfen, was uns dieses Jahr passiert ist. 
Wir waren bis zum Ende diesen Jahres geprägt und nehmen all das mit ins neue Jahr. Wir nehmen jeden Tag ein bisschen mehr mit, wir verdrängen immer weiter aber vergessen nie. Wir werden die Wunden immer wieder berühren, um sie nie verheilen zu lassen. 

Samstag, 26. Dezember 2015

describe a broken heart

I just had no idea about heartbreak.
When I used to be a teenager, all my friends started dating, kissing, fucking, loving.
The only thing I started was writing and I watched them wandering through all these phases, from curiosity to happiness to sadness to hate. 
I never got the chance to feel the same, because in that age I dealt with so many other problems and love was so far away, neither was anyone interested in me at all. I tried to imagine what being in love and especially heartbreak must feel like, but I was sure it wouldn't be as harsh as they all acted like and told me. 
They say love can show you heaven and hell at once, and I wondered if it would kinda feel like my bipolar disorder then. 
So when people told me about heartbreak I laughed. It sounded so dramatic. 

Now that I'm 21, I'm sitting at book stores, writing about those times when I didn't know anything about heartbreak.
On my way I almost got hit by a car because my thoughts about him were louder then the traffic noises could ever be. 
I needed 10 minutes to choose a song on my iPod that didn't remind me of our story.

I feel it for the first time and I feel it all.
Sometimes, my hands shake when I see someone looking like him, and they shake, god they shake, even hours after.
How can I feel this numb and still cry myself to sleep every night?
I asked people, but they looked at me in a strange way. Why? You could also just have been honest with me. You told me heartbreak is crying a lot, and eating chocolate and watching girly movies and fucking around to forget. 
You know what? That's what I did before. That was my lifestyle everyday. This is not heartbreak. This is not fucking heartbreak okay?
You did not tell me that heartbreak means, you stop caring for yourself cause he was the only reason you ever did. No one said you see him in everyone, or his voice haunts you all the time. That you pull your pillow closer at night, pretending it would be him. Or you still talk to him, even though he left you months ago.
You did not tell me that everyone around you moves on, while your world stopped since that day he said he doesn't want you anymore. Your own world stopped and it's either too silent or too loud in there all the time. There is just no in between.
Yeah, people told me a lot about broken hearts. But no one told me it would be like this. 

I miss the times I didn't know anything about heartbreak.
I would know how to breathe again. 
                                              
                                                                - three months later/ nothing changed 

Dienstag, 8. Dezember 2015

"A love like that was a serious illness, an illness from which you never entirely recover"
                                                                  - Charles Bukowski; The People Look like Flowers at Last 


Im August, es war der 22. wenn ich genau bin, hatte ich eine Kette gekauft. Eine lange Kette in gold, der Anhänger war ein großes dünnes Blatt, auch gold. Was mich sofort an dieser Kette faszinierte, war die Zerbrechlichkeit des Blattes. Es war so fragil, und schon beim anfassen hatte ich Angst, irgendwas daran kaputt zu machen. Es war die letzte und da sie keine zehn Euro gekostet hatte, gehörte sie ein paar Minuten später mir. Drei Tage danach bot sich mir das erste Mal die Gelegenheit sie zu tragen. Ich hatte genau 15 Minuten um mich fertig zu machen, und ich hasste alles an mir als ich das Haus verließ, außer dieser Kette. Sie passte zu meinen blonden Haaren die ich da noch hatte und obwohl ich strahlte, als ich dich endlich am Ende der Brücke gesehen hatte, war ich mir sicher, dass die Kette noch etwas mehr strahlte. 
Du sagtest irgendwann, dass dir meine Kette gefällt und hast dann meine Hand geküsst, und auch wenn ich mir in dem Moment so sehr gewünscht hätte zu hören, dass ich dir gefalle, war ich überglücklich, weil die Kette ja auch zu mir gehörte, und so war es doch im Endeffekt auch ich, die dir gefallen hat, oder? 
Als wir uns am Ende in unterschiedliche Richtungen voneinander verabschiedet hatten, drehte ich mich nach ein paar Sekunden um und sah dir hinterher. Du bist weitergelaufen, während ich noch eine Weile da stand und mein Blick dir folgte, die Hand leicht um das Blatt der Kette gelegt. Jetzt im Nachhinein ist die Situation traurig und absurd zugleich, denn findest du nicht auch, dass dieses Szenario unser gesamtes Miteinander definiert hat? Ich bleibe stehen, wegen dir, und du gehst weiter, ohne dich auch nur einmal umzudrehen? Ja, so könnte man das mit uns zusammenfassen. 
In diesem Moment wusste ich nicht, dass es das letzte Mal ist, dass ich dich sehe. Hätte ich es gewusst, ich schwöre dir, hätte ich dich nicht erst am Ende geküsst. Ich schwöre, ich hätte schon eher zugelassen, dass du meine Hand nimmst. Und vor allem, hätte ich all deine Blicke länger erwidert.
Aber du bist gegangen, und in den Wochen danach bist du immer weiter gegangen, bis du mich schließlich nicht mehr wolltest. Vermutlich bist du in der ganzen Zeit so weit gegangen, dass du besseres gefunden hast. Was ich dir nicht verübeln kann, denn du hattest mich als unterdurchschnittliches Mädchen mit der schönen Kette in Erinnerung. Das war an dem Tag im August okay. Aber etwas so fragiles kann nicht halten. Und vielleicht hätte ich das schon an dem Tag wissen müssen, als ich die Kette kaufte. 

Am vergangenen Samstag, es war der fünfte Dezember, fiel mir etwas auf.
In den vergangenen Wochen hatte das Blatt immer wieder kleine Risse bekommen, und die Wahrscheinlichkeit sich daran zu verletzten wurde größer. Aber ich trug die Kette weiter. Auch nachdem du gegangen warst. Die Kette blieb, obwohl sie Tag für Tag neue Risse bekam. Sie zerbrach langsam, aber der Zauber blieb.
Auf der Arbeit sagte mir eine Kollegin, ich sollte die Kette besser ablegen. Sie hat die gleiche, und bei ihr sei das Blatt komplett gerissen. Aber ich trug sie immer weiter. Am Samstag sah ich dann, dass die Hälfte des Blattes fehlte. Es war in zwei Hälften durchgerissen. Das Schlimme daran war, dass ich den abgerissenen Teil verloren haben musste. Ich finde ihn nicht mehr, und ich gebe all dem so viel Bedeutung, weil diese Kette immer für uns stand. Ich hätte wohl damit rechnen müssen, dass auch sie zerbrechen würde, jetzt, wo du weg bist. 
Ich trage sie auch heute. Es ist kein Blatt mehr, nur der Anfang des Anhängers, der geblieben ist. Zumindest etwas ist geblieben, und wenn das alles ist, dann wahre ich das so lange ich kann.
Und dann frage ich mich, ob es vielleicht auch einfach keinen Zusammenhang gibt. Die Kette lediglich eine Fehlinvestition war. 
So wie du. 
Nicht alles hat irgendeine tiefgreifende Bedeutung. Aber vorhin habe ich mich aus versehen an dem scharfen Ende des Anhängers geschnitten. Dann nochmal. Und es brannte, so wie all die Erinnerungen, die noch von dir geblieben sind. Jeden Tag brennen sie. 
Und diese Kette steht genau da für. Wie fragil es begonnen hat. Wie es trotz der Risse doch noch immer hielt. Wie es schließlich kaputt gegangen ist. Und selbst danach noch schneidet und brennt. Und man diese Erinnerungen bewusst in den Kopf ruft. Man bewusst das scharfe Ende des Blattes anfasst und zudrückt. Ein kurzes Brennen spürt, danach Schmerz. 
Um so überhaupt noch irgendetwas zu fühlen.

Montag, 31. August 2015

Briefgeheimnis

28.06.2010

Liebe Linda, 

Wenn du das liest, bist du alt. Vielleicht 20 oder 30 oder so, weil du dann ausziehst und deine Sachen durchguckst. Und dann findest du das. Voll der sentimentale Shit ja, dass dein junges Ich deinem Zukunfts-Ich einen Brief schreibt. In Filmen finden die Leute diese Briefe immer erst mit 50, aber du bist eine neugierige Bitch, die immer wieder ihren Kram durchsucht und hey, vielleicht bist du jetzt wenn du das liest noch nicht zu alt, irgendwas zu ändern, wenn alles dumm ist. Wie geht's dir denn so? Ich habe hier gerade die Sachen für den Schüleraustausch nach Kanada liegen und schicke morgen endlich die Bewerbung weg! Ich hoffe Kanada hat dir gefallen. Bist du vielleicht direkt da geblieben und hast so einen heißen Typen mit Bart geklärt? Sagt man geklärt überhaupt noch? 
Trägst du inzwischen wieder deine Naturhaarfarbe? Und spielst du endlich vernünftig Gitarre? Ich habe ein bisschen Hoffnung, dass du jetzt doch schon ein Rockstar bist, oder zumindest Groupie von so einem heißen Indie Typen aus England. Du stehst doch noch auf diese dürren Sänger im Karohemd? Wenn du mit einem Schnösel gerade auf der Couch sitzt, renn weg! Lass dich scheiden! Kein arroganter Typ im Anzug, die sind langweilig und betrügen dich irgendwann mit so blonden Schlampen. Ich hasse blonde Schlampen, ich bin 15 und sie sind hier schon überall. Werde niemals eine blonde Schlampe, wenn, dann eine dunkelhaarige. Die sind wenigstens elegant. 
Ich hoffe, dass du gut durch das gekommen bist, was hier gerade abgeht. Mit der Familie und so.. ich verspreche, ich reiß mich zusammen. Sobald ich 18 bin und mein Abi hab, bin ich hier weg und alles wird gut. Ich weiß, dass sagt man immer so. Aber auch bei mir muss doch endlich mal alles gut werden? Ich frage mich gerade wohin ich will später. Am liebsten nach Berlin, oooh bitte sag du wohnst in Berlin. Hauptsache weit weg und mit tollen Freunden, mit denen du Spaß hast. 
Hast du einen Job gefunden, der dich glücklich macht? Oder studierst du noch? Wenn du einen öden Bürojob machst, kann ich mich ja jetzt schon besser erschießen. Denk immer daran, dass du die Welt sehen willst und schreiben! Schreiben schreiben schreiben. Manchmal denke ich, ich kann eh nichts anderes als das. Gestern kam wieder ne 5 in Mathe. Aber ich seh's positiv, war schon schlimmer. 
Okay, wie ist das mit den Männern. Mich interessiert das eh am meisten, vergiss alles davor! :D 
Die Typen hier sind einfach Jungs, aber mit 15 darf man von diesen Dorftrotteln auch nichts anderes erwarten. Mich langweilen hier alle. Deswegen zweifle ich gar nicht daran, dass du das heute hinbekommen hast. So ein heißer Typ mit Bart der dich auf Händen trägt (vorausgesetzt ich schaffe es mal, eine dieser Diäten über die Sommerferien durchzuziehen). Ist er Musiker? Natürlich ist er Musiker, und dunkelhaarig und er hat so eine tiefe Stimme, wie die von dem ausm Bus. Vielleicht spreche ich ihn mal an, vielleicht bist du dann jetzt mit ihm verheiratet! Ich hoffe, man tut dir nicht weh. Ich weiß, ich denke oft darüber nach, so Gefühle auszublenden und alles ganz kalt zu betrachten, aber ich glaube dafür bin ich zu romantisch. Wenn du nicht mehr romantisch bist heute und dich von einem Kitschfilm zum nächsten lebst, will ich nichts mit dir, äh, mir, zutun haben! 

Was ich am Anfang gesagt habe, war doof. Du bist vielleicht 30 und alt wenn du das hier findest, aber vielleicht auch 20 oder 45. Erinnerst du dich, wie du das hier damals geschrieben hast? Ich habe heute mal wieder erkannt, dass ich nichts und niemandem mehr hinterher renne. Ich habe mich genug zum Idioten gemacht, und jetzt kannst du mir dafür dankbar sein. Uns kann keiner mehr was anhaben! Was ich sagen will ist, du bist heute garantiert zehn Mal glücklicher als ich, mit deinem Job und der Liebe, aber ich will dir sagen.. wenn es dir nicht gut geht, dann ändere es. Geh weg, geh dahin wo du hin willst, schieße ihn ab wenn er dich langweilt, und so etwas wie beste Freundinnen gibt es nicht, nur blonde Schlampen die dir später den Anzugmann ausspannen! 

Ich hoffe wirklich, es geht uns jetzt gut. Also dir. Ich habe keine zwei Persönlichkeiten oder sowas, ich meine halt mich nur in älter, also dich. Ist das verwirrend? Manchmal denke ich, ich bin irgendwie verrückt. Aber ich glaube, das ist so eine Phase die man in dem Alter hat, und das geht auch wieder vorbei wenn ich dann weiß wer ich bin und was ich will im Leben. 

In Liebe (hat eigentlich inzwischen mal jemand zu dir das große L Wort gesagt??),
Linda

Mittwoch, 12. August 2015

Wunschlos

Wie die letzten melancholischen Idioten aus Hollywood Schmonzetten sitzen sie auf ihren Decken und starren in den Himmel. Als ich an ihnen vorbeilaufe, bete ich an die dunkle Macht da oben, mal ein paar große Steine auf sie regnen zu lassen. Möge die Macht mit mir sein. 
Mit Schlafzimmerblick säuseln sie sich zu, was sie sich wünschen werden. "Ich wünsche mir dich hihihi", zwitschert sie mit einer Stimme, die ungefähr mit Tinnitus gleichzusetzen ist. Er schaut kurz so panisch, als wenn sie gesagt hätte "Mach mir nachher drei Babys" 
"Aber doch erst wenn du 'ne Sternschnuppe siehst. Und laut sagen darfst du es auch nicht!" Er scheint kurz davor zu sein sich selbst triumphierend auf die Schulter zu klopfen, weil er sich so leicht aus der Scheiße gezogen hat. 
"Ich hab alles versaut!", quiekt sie und schlägt sich die Hände vors Gesicht. Mein Gott. Da soll noch einer sagen ich sei eine schlechte Dramatikerin. Bevor ich den Park verlasse drehe ich mich nochmal um und werfe einen Blick auf alle. "Jo Bock rumzuhängen?" Zwei Typen tauchen neben mir auf und deuten auf eine Gruppe. "Wir chillen da hinten. Hast auch nen Wunsch bei mir frei" Der Blonde grinst.
"Hm. Würdest du mir deine Toilette zur Verfügung stellen damit ich mich darin ertränken kann um dieses Szenario zu vergessen?"
Verwirrt tauschen sie einen Blick aus. "Also eigentlich..."
"Ich hab alles versaut!" Ich schlage mir die Hände vors Gesicht und bemühe mich um meine höchste Stimme. "Wünsche gehen ja nur in Erfüllung wenn man eine Sternschnuppe sieht!" Ohne auf eine Antwort zu warten, drehe ich mich um und gehe. 
Gut, vielleicht hätte ich mit 14 durchaus mal die Flirt Tipps in der Bravo Girl lesen sollen anstatt Zac Efron Poster an meinen Wänden anzuordnen und Kuchen zu essen. Aber ich bin bestimmt nicht für sowas lächerliches hier in diese Stadt gezogen, ich bin hier um...
Ach so ja richtig, ich weiß es gar nicht. Witzig. Warum lacht keiner? Sogar ich muss da lachen.

Wenn man so richtig einen an der Waffel hat, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder, man lässt sich nichts anmerken und lebt einfach ganz normal funktionierend mit seinen Mitmenschen - oder aber man trägt das volle Paket nach außen. Entweder man wirft sich morgens die Pille ein, die einem Bombenlaune macht, oder die, die einen ruhig hält und im Stehen einschlafen lässt. Entweder man setzt sich auf eine Decke im Park und wartet auf Sternschnuppen, oder man trampelt zwischen den Trotteln her und gibt später darüber literarisch wertvolle Kommentare auf seinem Blog ab. Entweder, oder. 
Als ich nach Hause komme, ziehe ich mich im Dunkeln um und stelle mich an mein Fenster. Mit zusammengepressten Lippen starre ich in den Himmel und warte. Und höre wieder auf zu warten. Und warte. Aber es bleibt dumm. Es bleibt naiv. Ich schließe die Augen und wage diesen einen Wunsch zu denken. Ohne Sternschnuppe, ohne erwartungsvolle Blicke die man mir zuwirft. Es macht keinen Unterschied.
Entweder ich wünsche mir was mit großem Aufriss drum herum, Sternschnuppe, Kerzen auspusten, elf Uhr elf - oder ich wünsche mir etwas ganz randomly still und leise wenn mir danach ist. Entweder, oder? Nein. Ich öffne die Augen wieder und weiß, es ist egal wie man sich etwas wünscht, es gibt Wünsche die sich nicht erfüllen werden. Niemals. Wir vergraben sie tief und holen sie doch manchmal raus, nur um uns wieder darüber bewusst zu werden, wie weit entfernt sie sind. Wir erkennen die Sinnlosigkeit des Wünschens, wir werden wunschlos. 
Wir laufen zwischen all diesen Menschen umher, die dort sitzen und voller Wünsche sind. Wir erkennen, dass wir anders sind. 

Wir fragen uns, ob sich vielleicht genau deswegen unsere Wünsche nie erfüllen. 

Montag, 3. August 2015

K.O Runde

"You changed the scenary, but not the fucking situation" 
                                                                                 - Girl, Interrupted (1999)

Alles wird gut. 
Der Anblick hatte mir nie gefallen in den letzten anderthalb Jahren. Man guckt direkt auf diese Tankstelle und die laute Straße. Entspannen konnte ich hier nie. Bei dem Gedanken muss ich kurz lachen. Stimmt ja, ich kann auch sonst nirgendwo entspannen. Vergessen wir das. 
"Das ist ziemlich viel Kram den du da mitnimmst", sagt er und zieht mir die Zigarette aus dem Mund, die ich eigentlich nicht rauchen sollte. Leider hat er recht. Keine Ahnung warum ich so viel Scheiß besitze, aber ich hatte keinen Moment daran gezweifelt, den Scheiß genau so mitzunehmen. "Hatte keine Zeit zum aussortieren", verteidige ich mich halbherzig und versuche erfolglos zurück an meine Zigarette zu kommen. Kurzerhand drückt er sie aus. "Das ist Verschwendung", protestiere ich.
"Ja, von Lebenszeit" Er grinst und stützt sich auf die Brüstung. "Ausmisten hat noch nie geschadet. Altlasten loswerden, Neuanfang und so. Oder hast du eine besondere Bindung zu diesen Glamour Ausgaben von 2013?"
"Ach die hab ich noch! Okay es ist ernster als ich dachte" Lachend verdrehe ich die Augen und wir schweigen eine Weile, während wir den Verkehr auf der Straße beobachten. Ich spüre wie er mich beobachtet. "Du hast Schiss, richtig?"
"So richtig großen, ja", entgegne ich ohne groß überlegen zu müssen. 
"Was ist das worst case Szenario?" 
"Wieder zu scheitern. So zu enden wie letztes Jahr. Die Liste ist lang"
"Für dich ist immer jede Desorientiertheit und jedes Umdenken scheitern. Dabei sind es einfach alles nur Etappen auf deinem Weg. Ankommen wirst du trotzdem irgendwann mal irgendwo" 
Beleidigt verzieht er das Gesicht als ich anfange zu lachen "Kann es sein, dass du die Glamour Ausgaben von 2013 inklusive Lebenstipps überflogen hast? 
Er grinst. "Erwischt. Zumindest weiß ich jetzt auch, dass ich in der Saison 2013/14 absolut nicht im Trend war. Hättest du mir ja mal sagen können damals" Er wendet sich ab und geht rein um meine Kisten weiter rauszutragen. Mein Blick fällt wieder auf die Tankstelle und die ganze Szenerie, die sich mir bietet. Ich werde das alles keinen Tag in irgendeiner Weise vermissen, aber ich weiß, dass ich dieses Leben hier jetzt so nicht mehr leben kann. Ich bin gezwungen alles zu ändern. Und davor so richtig großen Schiss zu haben, war noch untertrieben. 
Mir wird wieder bewusst, dass es nicht an dem Anblick hier lag. Auch in der neuen Stadt werde ich manche Anblicke nicht ertragen können und mich nach Schönerem sehnen. Es liegt nicht nur an dem was sich mir bietet. Es liegt an den Augen, die es ansehen. 
An dem Menschen, der all diese Anblicke geboten bekommt und ihnen eine Wertung gibt. Das Schlechte sieht. Es liegt an dem Menschen. 
Es liegt an mir. Ich nehme mich mit, und führe den alten Kampf in einer neuen Stadt weiter. Der Kampf, nicht wieder zu scheitern. 
Der Kampf gegen mich selbst. 

Donnerstag, 4. Juni 2015

Man denkt das Problem ist, dass wir zu viel denken
"Wie ist das denn jetzt wieder gemeint?", werde ich von Freundinnen mindestens so oft gefragt, wie ich das von ihnen wissen will. Was folgt, ist ein exzessives Verschicken von Screenshots an mindestens drei Personen. Eine Meinung reicht nicht. 
Was sich in den meisten Fällen dann rausstellt: Er meinte es so, wie er es gesagt hat. Keine Zweideutigkeiten, keine versteckte Botschaft. Dass er ohne Emoji antwortete, bedeutete nicht das befürchtete Ende der Beziehung. Alles gut - bis zur nächsten Nachricht. 
Wie viel Zeit verbringen wir damit, uns die absurdesten Szenarien zurechtzubasteln? Wie viel damit, uns in diese reinzusteigern, bis sie die einzig logische Erklärung sind? Und vor allem, wie lange wird es dauern diese Angewohnheit abzulegen? 
Es ist nunmal so, dass sich manche auch durchaus klar ausdrücken können, in einem Satz. Wie auch immer ihr das macht, Hut ab. Nicht jeder verpackt in einer passiv-aggressiven Nachricht drei Aussagen, die sich im besten Fall noch widersprechen. Was denn? Das ist echt ein Meisterwerk. Ich bin da manchmal schon stolz drauf, würde es einem nicht alles komplizierter machen, als es sein müsste. 
Was ich sagen will ist, warum akzeptieren wir das dann nicht so. Er sagt er hat kein Problem, dann hat er auch keins. Sie sagt sie freut sich auf später, aber hat keinen Smiley dahintergesetzt? Sie freut sich trotzdem. Wäre es anders, würden sie es sagen. Simple as that. 
Trotzdem zweifeln wir andauernd. Ein neues Drama bahnt sich an. Moment, ist das vorherige überhaupt wirklich schon gelöst?

Und damit stellt sich mir die Frage, ob das eigentliche Problem wirklich derjenige ist, der zu viel nachdenkt. Der zweifelt, der misstraut, der Angst hat etwas wirklich vermurkst zu haben. Denn all das tut er ja nicht aus Spaß. Ach, heute mache ich mich den ganzen Tag verrückt, weil ich wieder drei neue Theorien zur aktuellen Situation habe... Macht keiner so wirklich. Nein, man gibt uns Gründe. Man gibt uns Anzeichen, Aussagen und wirklich verdammt nochmal Gründe, warum wir so auf worst case Szenarien abfahren. 
Man denkt das Problem ist, dass wir zu viel denken? Nein, das Problem ist, dass manche eine widerliche Scheißart an sich haben, die einen quasi dazu zwingt, Dinge zu hinterfragen. Und wieso verschwendet man für sowas dann seine Energie? 

Könnte man ja eigentlich mal drüber nachdenken.

Montag, 1. Juni 2015

Du sagst einem Menschen nichts, was deine Taten nicht wiederspiegeln. 
Hab ich mal so gelernt. Das Traurige ist aber, dass man sein eigenes Verhalten auch von anderen erwartet. Wenn sie es nicht tun, ist man enttäuscht. Doch kann man jemandem daraus einen Vorwurf machen? 
Die Frage ist schwer zu beantworten, aber ich wage mich, ein schwaches nein dahinterzusetzen. Nein, du kannst keinem vorwerfen, dass er nicht so handelt wie du es tun würdest. 
Aber, du kannst ihnen den Vorwurf machen, dich enttäuscht zu haben. Wieder und wieder. 
Und auf ein sorry folgte immer ein 'ist schon okay' 

Du sagst einem Menschen nichts, was du nicht auch so meinst.
Sage niemals, du bist immer für jemanden da, nur um dich dann nie wieder zu melden. Es spielt keine Rolle, wie sehr sich unser aller Verhalten und Einstellungen voneinander unterscheiden. Manche Dinge tut man nicht, egal wer, egal was, egal in welcher Situation. Einem Menschen sagen, du bist immer da, nur um dieses Versprechen wie ein kleines Feuerchen kurz zu zünden und dann verrauchen zu lassen, ist nicht in Ordnung. Sage einer Person niemals, du denkst an sie, wenn sie nicht die einzige ist. Erzähle einem Mädchen niemals von anderen Mädchen. Tu es nicht. Lies es noch einmal. Tu das nie. Behaupte niemals du bist okay, wenn es so nicht ist. Mache niemanden für deine Fehler verantwortlich, wenn du genau weißt, du hast es vermurkst. Du ganz allein. 
Und du erwartest dann, auf ein sorry folgt immer ein 'ist schon okay'? 

Du sagst einem Menschen nicht, du bleibst weil du mit Sturm umgehen kannst. Denn wenn du sie triffst, triffst du einen Hurricane. Und dann verlässt du sie, weil du doch nur mit kleinen Regenschauern zurecht kommst. 
Du sagst einem Menschen nichts, was deine Taten nicht wiederspiegeln
Du sagst einem Menschen nichts, was du nicht auch so meinst
All das ist nicht okay. Sorry? Nein. Es ist nicht okay. 

Nicht jedes sorry verdient ein 'ist schon okay'

Montag, 18. Mai 2015

Als ich gegen Acht nach Hause komme weiß ich, dass es passieren wird. 
Ich ziehe mein verwaschenes Beatles Shirt an und lege mich ins Bett, zitternd ziehe ich meine Beine so nah es geht an den Brustkorb und schließe die Augen. Mein Atem ist unruhig, aber ich habe ihn unter Kontrolle. Ich habe alles unter Kontrolle.
Es ist wie eine Erlösung, als mein Handy aufleuchtet und ich kurz abgelenkt bin "Hast du jetzt so fünf Minuten?"
Nein, denke ich. Ja, sage ich. 
Hektisch greife ich nach der Schachtel und lege alles bereit. Ich habe immer noch alles unter Kontrolle, aber ich weiß, dass es passieren wird. Vielleicht sollte ich vorsorgen. Der Abend ist durch, ich wollte eh gleich schlafen. Also sorge ich vor. Viel Wasser dazu.
Mit Handy am Ohr koche ich Tee. Weißen. Ich als Grüntee Trinkerin wage heute das Unmöglichste. Alles ist okay. 
Ich schaffe es, ein paar vernünftige Sätze zu formulieren. Ich kippe kurz zur Seite, und habe die Kontrolle darüber. Ich bin ehrlich traurig und besorgt als mir all diese Dinge am Handy erzählt werden. Ich denke an diese Untersuchung letzte Woche, dann denke ich nichts mehr. Erst nach ein paar Sekunden merke ich, dass meine Tasse mit heißem Wasser übergelaufen ist. Aber das macht nichts. Ich lächle und höre weiter zu, während ich das Wasser abschütte und mich frage, ob ich genug vorgesorgt hatte. 
Als wir auflegen bin ich traurig, diese Stimme hat mich jetzt ein paar Minuten beruhigt und abgelenkt von dem Gefühl, dass es gleich passieren wird, und ich muss bestürzt feststellen, dass ich definitiv nicht genug vorgesorgt hatte. Ich gehe zurück in mein Zimmer und schließe die Tür hinter mir, lehne mich dagegen, und beobachte meine linke Hand, die sich langsam zu einer Faust ballt, die Faust sich öffnet, das Zittern stärker wird, die Faust sich schließt. Mein Atem ist unruhig, aber ich habe ihn unter Kontrolle, ich habe ihn unter Kontrolle, ich.. ich wusste, es würde passieren. 

Eine halbe Stunde später ist er da. Ich stehe seit zehn Minuten nur im Beatles Shirt und Socken im Hausflur und warte. Nichts ist gut und ich habe keine Kontrolle, mein Atem ist zu schnell oder setzt aus, immer abwechselnd. Er schaut mich von oben bis unten an und zieht mich zu sich, während er uns gleichzeitig in die Wohnung schiebt. "Bist du alleine?", fragt er leise und ja mein Gott, denke ich, natürlich bin ich alleine wenn ich schon so abdrifte. Er wartet, bis ich mich wieder in meiner Ausgangsposition zurück ins Bett gelegt habe und sein Blick fällt auf meinen Schreibtisch, wo ich alles bereit gelegt hatte. "Nicht schlecht Heisenberg" Er grinst schwach und eine Sekunde später spüre ich ihn hinter mir im Bett, er drückt sich an mich und umarmt mich so fest von hinten, bis sein Geruch von Parfum und Zigaretten das einzige ist, was ich noch wahrnehmen kann. Ich zittere immer noch, und kann es schließlich nicht mehr. 
Meine Finger krallen fest in seine Arme, dann bricht es aus mir heraus. Ich verliere sowohl Kontrolle als auch Stolz und Würde, alles in genau diesem Moment. Aber es ist mir egal. Er ist da und er hält mich fest, nach allem heute. Ich nehme wahr, wie er mir langsam den Kopf streichelt und beruhigende Laute von sich gibt, aber ich kann nicht aufhören zu heulen, bis ich keine Luft mehr bekomme. Ich wusste, es würde passieren. Ich kam nach Hause und wusste es. 
Erst nach einer weiteren halben Stunde fange ich an mich zu beruhigen. Wir reden nicht, er hält mich einfach nur, und ich merke wie die Wirkung langsam einsetzt. Er sagt mir schließlich es ist okay, und ich weiß, dass es das nicht ist.
Mein Zimmer ist dunkel und nur mein Handy leuchtet manchmal wegen neuer Nachrichten auf. 
Ich frage ihn mit zitternder Stimme, wann das alles aufhört. Und er schweigt. Er schweigt so lange. Zu lange.
Eine Antwort, die mich nicht einschlafen lässt.

Montag, 27. April 2015

Ich bin kein schlechter Mensch.
Starre dich im Spiegel an, bis es anstrengend wird. Hör nicht auf. Sag es noch einmal. Ich bin kein schlechter Mensch. 
Sag es so lange bis du es glaubst, sag es, denn es ist wichtig. Weine, weil du weißt, dass es stimmt. All diese Dinge passieren, man sagt all diese Dinge zu dir, du wirst so behandelt, du bekommst nie das was du gibst. Und welcher Grund auch immer dahinter stecken mag, was auch immer du falsch gemacht hast - Starre dich im Spiegel an, sag es, zweifle, aber sag es.
Ich war kein schlechter Mensch

Seit meinem 17. Lebensjahr hatten sich meine Ideale kaum verändert. Wer zum Beispiel gefragt hat wie mein Traummann so wäre, bekam immer zu hören, dass er groß und dunkelhaarig ist mit Bart. Erfolgreich, mit Sinn für Stil aber noch größerem Sinn für Humor. Er liebt das was er tut und weiß für was er steht. Er respektiert und akzeptiert mich und alle Dramen die ich mitbringe. Er ist ehrlich, er ist ein Arschloch, er kann streiten, er weiß wann es reicht, er lässt mich nie an seiner Liebe zweifeln. Er will die Welt sehen, er ist voller Geschichten die er mit mir teilen will. Er ist ein Idiot, aber der beste den ich mir vorstellen kann. Und natürlich kann er gut küssen, das ist selbstverändlich Grundvoraussetzung. Alle hatten mich dann immer ganz verträumt angeguckt, und ich wahrscheinlich einfach nur zu viele Bücher gelesen. 
Oder die Sache mit dem Job. Ich wusste, ich wollte den Leuten was erzählen. Geschichten aufdecken und an die Öffentlichkeit bringen. Menschen berühren und schockieren. Ich wollte etwas schaffen, was bleibt. Ich wollte gut leben können aber in erster Linie etwas tun, was mich erfüllt. Um auch genau das auszustrahlen. 
Mit 17 darf man diese Ideale haben. Es ist der Zeitraum wo man diese hat, sie aber langsam überdenken sollte. Die einen schaffen diesen Absprung, und arbeiten mit der Realität. Andere schaffen diesen Absprung nicht. 
Sie bleiben stehen. Sie springen nicht. Man schubst sie irgendwann. 

Wenn du also vor dem Spiegel stehst und sagst, du bist kein schlechter Mensch, denkst du an all die Dinge die passiert sind. Was man dir gesagt hat, was man dir nie gesagt hat. Die leeren Worte, die schwere Leere. An das was du gegeben hast, an das was du nicht zurück bekommst. An deine Wünsche, an deine Ideale, und wie weit entfernt sie sind. 
An den Moment, als man dich geschubst hat. Und du starrst dein Spiegelbild weiter und weiter an, bis du begreifst, dass man immer weiter so mit dir umgehen wird, dass das immer wieder passiert.
Weil du kein schlechter Mensch bist

Sonntag, 19. April 2015

"Ich habe noch nie Blumen geschenkt bekommen"
Seufzend lasse ich mich neben ihn auf die Wiese fallen und beobachte den kleinen Jungen, der ein paar Gänseblümchen abreißt und seiner Mutter hinhält. "Der wird mal ein Traummann"
"Jetzt echt nicht?" Er sieht verwirrt aus "Du bist 'ne Frau, euch schenkt man immer Blumen" 
"Naja okay, mit 16 habe ich mal auf unserem Dorffest bei der Tombola eine Topfpflanze gewonnen. Das ist ja auch geschenkt bekommen, irgendwo. Sie hat zwei Wochen gehalten. Pflanzen brauchen Wasser, wusstest du das?"
Er reißt die Augen auf und schüttelt den Kopf "Nein ich hatte keine Ahnung, sprich weiter!"
"Leck mich" Hinter meiner Sonnenbrille verziehe ich spöttisch das Gesicht "Ich hätte lieber den Jägermeister Strohhut gewonnen, aber das Los zog Esther Breuer" Es dauert mehrere Minuten, bis er sich wieder gefangen hat. Ben hat sich vor lachen auf der Wiese lang gemacht und hält sich den Bauch, und ich wünschte, dieser Moment würde nie enden. Wie er da liegt und ich schwach lächelnd das Gras aus dem Boden rupfe, alles fühlt sich leicht an. Es ist der perfekte Sonntag, und ich schaffe es für eine Weile auszublenden, wie sehr mich die Entwicklungen dieser Woche abgefuckt hatten. Er richtet sich wieder auf. 
"Esther Breuer klingt nach dem dicken Bauernkind, was den Jägermeister Strohhut als neues Accessoire ausführen wird", sagt er und wischt sich die Lachtränen aus den Augen. 
"Hm ja das passt tatsächlich. Aber sie ist jetzt mit diesem anderen dicken Bauernkind zusammen, und der schenkt ihr sogar Blumen, wie Facebook Bilder verraten" 
"Wow bei so viel Romantik in deinem Kaff verstehe ich gar nicht warum du nach Köln ziehst" Meine Faust landet auf seinem Oberarm und wir schweigen eine Weile, bis ich plötzlich seine Hand vor mir sehe. "Mademoiselle" Er hält mir ein Gänseblümchen hin und zieht grinsend die Augenbrauen hoch. Lachend fange ich an es auseinander zu zupfen.
"Nein ernsthaft, ich werde 21 dieses Jahr und habe noch nie Blumen bekommen. Etliche Dates, 20 Geburtstage, all die überstandenen Dramen und Nervenzusammenbrüche" Ich verdrehe theatralisch die Augen "Und kein einziges Mal Blumen" 
"Man sollte dir einen ganzen scheiß Garten pflanzen" Er lächelt mich an. "Warum ist dir das so wichtig? Es ist doch nur so ne fucking Geste, wie Pralinen."
Und dann weiß ich ausnahmsweise mal wirklich nicht was ich sagen soll, die Leichtigkeit von eben droht zu kippen. Ich versuche es mit einem kurzen Achselzucken aber er hebt abwehrend die Hand.
Also fange ich an von dieser Woche zu erzählen, den schlechten Sachen und den guten, die dank meiner nächtlichen overthinking shit-sessions auch zu schlechten Sachen wurden. "Ich frage mich einfach, warum es nie reicht. Warum habe ich noch nie das L Wort gehört? Warum noch nie Blumen bekommen"
"Du denkst das ist deine Schuld?" Er mustert mich von der Seite und ich antworte nicht. "Willst du über Berlin reden?" 
"Nein"
"Das ist jetzt fast 'nen Monat her, du weißt dass ich die Klappe halte" 
Ich lächle ihn an und er drückt meine Hand, die Sonne scheint immer noch. Und genau so soll es bleiben. 
Plötzlich steht der kleine Junge neben mir und grinst schüchtern. "Hallo" Mein Blick fällt auf die drei Blümchen die er mir hinhält und ich drehe mich um, seine Mutter sitzt hinter uns und lächelt stolz. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass sie noch da waren. 
Ben grinst und streicht mir weiter beruhigend den Handrücken. Der Kleine drückt mir die Blumen in die Hand.
"Die sind für dich" 

Samstag, 18. April 2015

[23:49]
From the start, you touched me without touching me
Tonight your words burned holes in my mind 
It's probably nothing, I don't know
But I just want your arms around my waist
And hope you never let me go again

Es ist mitten in der Nacht, und ich traue dem Frieden nicht. Ich fühle alles Gute dieser Welt, vergesse dabei gelegentlich das Atmen. Vielleicht muss ich gerade jedes verlorene Glücksgefühl der letzten Wochen nachholen, alle in einer Nacht. Meine Gedanken rasen, mein Herz macht mit. Für mich scheint nach Mitternacht die Sonne. Alles fühlt sich so leicht an und alles macht Sinn. Es ist mitten in der Nacht, und ich traue dem Frieden nicht.
Ist es vielleicht gar keiner? Wie kann man von Frieden reden, wenn in einem Krieg tobt. Ich fühle alles Schlechte dieser Welt, und habe Angst an all dem zu ersticken. Für jedes Glücksgefühl fällt mir etwas ein, was es zunichte macht. Meine Gedanken rasen, mein Herz macht mit. Es ist als würde die Sonne auf mich scheinen, aber mich kalt lassen. Wie kann etwas so Gutes plötzlich so falsch sein? Alles fühlt sich schwer an, macht keinen Sinn.
Es ist mitten in der Nacht, und nichts hat sich geändert.

[03:14]
There were so many things left I wanted to ask you, but I didn’t. 
I knew the truth would tear me apart.

Dienstag, 14. April 2015

it was 2am, and you were here
my phone was pressed on my ear
the presence of your voice 
kept me awake at night 

You know, I'm still trying to figure this shit out. How to accept, how to let go, how to move on. How to stop drowning in all those 'what if's'. I cannot say what sets you apart from the others I had before, why it is that hard. 
I should just think about how you go on with everything, meeting new people, make them fall for you but never fall for them. 
And it should make me angry. In a few months you won't even remember the colour of my eyes, will you? Or how my laugh sounded when you said something idiotic again. And for sure you're not wasting half as much thoughts on me as I still do on you. 
It really should make me angry. It really should make me hate you, how you chose to leave me here with all my unanswered questions and unsaid words. I really should hate you and I try, I try it every fucking day since then.
But all I can do is walk on the fine line between distraction and repression, pretending it would work out, just to let it devour me at night. I wish I could forget as fast as you can, saying I was just one of many. That it didn't mean anything at all. 
I wish I could do that when I have these moments and realize, we gave up on something we will never get back. Whatever it was.

it is 2am, and you're still here
my hands are pressed on my ears
the memory of your voice
keeps me awake at night 

Donnerstag, 9. April 2015

describing myself, it would be like
too much, not enough. too much, not enough
they say it is not enough to be too much
but it is. it fucking is at night when breathing gets harder
thinking about how it is still not enough,
desperately wondering how it could ever be,
when everything is always just too much
too much, not enough. too much, not enough

that is all I have
that is all I am
is that the reason why you left?
                     -  3:47 thoughts; did you feel too much or not enough?

Freitag, 3. April 2015

you are a poem that breathes

And I remember, 
It was summer when we started 
You told me about your day, and I liked it 
Only some weeks later, we jumped in each other's lives, we were on a new level
You told me how you imagine a day with me, and I liked it
Was it summer where we went wrong?

And I remember, 
It was autumn when we glowed
You told me about your dreams and fears, and I liked it
Only some weeks later, you gave me cute names, we were on a new level 
You told me how much you think about me, and I liked it 
Was it autumn where we went wrong? 

And I remember, 
It was winter when we burned
You told me where you want to kiss me, and I liked it
Only some weeks later, you finally held my hand, we were on a new level
You told me everything I ever wanted to hear, and god yes I liked it
Was it winter where we went wrong?

And I remember, 
It was spring when we faded
You told me you need space when I started seeing galaxies in your eyes, I liked them 
Only some weeks later, our heaviest conversation also became our last one, we were on a new level
You told me it is all for the best, and you know I really tried to
Was it spring where we went wrong? 


And this is what's left, 
2 a.m at night, feeling every word, every look, every touch of yours 
I am scared that time will make it harder to remember
I am scared you will never remember us at all 

And this is what's coming,
We will go out and seasons will come and go
There will be summer again and we will start again 

Maybe someday we will see, it was all about taking risks
But we will never get the answer to where we went wrong
And never get to know what could have been, if we didn't

Mittwoch, 1. April 2015

You once told me, our fingerprints don’t fade from the lives we touch. 
Is that true for everybody, or is it just poetic bullshit?
   - Remember Me (2010)


Kann man jemanden verlieren, den man nie hatte? 
Kann man damit lernen umzugehen oder bleibt das Gefühl, als würde man immer weniger Luft bekommen?
Wann fängt man an zu akzeptieren, wann hört das bereuen auf? 
Wann ist es endlich möglich die Zeit zurückzudrehen, und alles besser zu machen? 
Warum ist es für den einen immer schwerer als für den anderen? 
Warum sagt man jemandem er soll gehen, wenn man ihn in seinem Lebem haben will? Warum lässt man ihn dann wirklich gehen?
Warum tut man das? 

Wenn plötzlich die Welt zu laut ist, und dich die Stille erdrückt, du nachts nicht schläfst weil du Angst hast, dass dieser eine Traum wiederkommt, wenn plötzlich die Welt zu laut ist, wenn alles zu laut ist, hast du dann die Antwort? 
Kann man jemanden verlieren, den man nie hatte?

Sonntag, 29. März 2015

That night I went out again. Charlotte, Kyle and I went to a party down on Pear and I saw this guy called Marshall, who I knew from my Russian lit class, when we were both on the fire escape, getting some air. I usually don't smoke but I bummed a cigarette off him and when he gave it to me he half smiled. Marshall was handsome. Smart. And suddenly, more than anything I'd ever wanted in my life, I wanted him to love me. 
I stayed out there with him for nearly an hour and we talked about  a lot of things and moved closer and closer together. Eventually, we were both shivering and he asked if I wanted to go back to his apartment with him. I did. I'd never wanted anything more. But as I watched him smile back at me and zip his coat, I saw everything in the world build up and then everything in the world fall down again.
                 - Marina Keegan; Cold Pastoral

Ich wollte schreien, ich wollte nie wieder ein Wort von mir geben. Als ich dann auf dem Boden lag, wollte ich für immer liegen bleiben, doch stand auf um zu rennen. Ich rannte nicht, aber fing an zu schreien. Ich war bereit und es war mir endlich egal, ob die Welt es war. Eine Minute später lag ich wieder auf dem Boden, die Welt war zu viel für mich. Mein Atem war unruhig und ich starrte an die Decke. Ohne einen Ton, fing ich an zu weinen, die Tränen bahnten sich langsam ihre Wege durch mein Gesicht, und ich lag da, starrte an die Decke, und lächelte. In mir wurde der Wunsch größer, die Luft anzuhalten, in Gedanken rannte ich einen endlosen Weg entlang und atmete, ich atmete das Leben tief ein. Ich wollte sehen und hören. Ich wollte beides nie wieder. Mein Blick fiel auf die Kisten, ich wollte gehen. Und bleiben. Ich hatte Hunger, aber das Spektakel hier fütterte mich so gut, dass ich eigentlich doch satt war. Am liebsten wollte ich nie wieder alleine sein, aber unter Menschen wollte ich mich nicht aufhalten. Mir war warm, mir war kalt. Und als ich die Stille nicht mehr ertragen konnte, sprang ich auf. Aber dann war alles wieder normal, und alles war wieder laut. Zurück auf dem Boden wusste ich, es gab nur zwei Möglichkeiten, entweder ich hatte den Verstand verloren oder ich war verloren in meinem Verstand. Es war drei Uhr morgens und ich hatte diese zwei Erklärungen.
Bis heute hatte ich keine Idee, was wahrscheinlicher war. 

Freitag, 27. März 2015

"I hope you see pieces of me in every girl who walks through your bedroom door"
        (I see pieces of you in every boy that smiles at me) 
 
Er ist jetzt schon über zehn Minuten zu spät, und je länger ich warte, desto stärker ist der Drang zu verschwinden.
Was kann ich tun, damit du mir meine dreieinhalb minütige Verspätung verzeihst, ich bin hier in der Gegend quasi nie, ich kann mich also auch richtig zum Idioten machen.. Ah okay, ich mache mich eh schon zum Idioten oder? Ich glaube ich bin nervös. Hör auf zu lachen man. Du siehst toll aus. 
Okay so gesehen war das alles von Anfang an eine bescheuerte Idee. Ein Hoch auf mein undurchdachtes Handeln. Warum genau hatte ich diesem Scheiß hier zugestimmt? Um zu gewinnen? Es ist kein Spiel, ermahne ich mich selbst. Es war mal eins, und ich hatte es verloren.
"Sorry meine Bahn kam zu spät" Er stürzt auf mich zu und schaut mich von oben bis unten an. "Wartest du lange? Hättest dich ruhig schon reinsetzen können ne" Er sieht so dämlich aus.
Fünf Minuten später studiere ich die Liste mit Hochprozentigem, weil ich nüchtern nicht mal die Anstandsstunde hier aushalte. Er sitzt mir gegenüber, sein Blick auf mir. "Freut mich echt, dass du es geschafft hast", fängt er an. "Ich hatte schon Angst, ich bekomme dich nie zu sehen" 
Zur Antwort schenke ich ihm ein müdes Lächeln "Dann ist das ja heute dein Glückstag", schiebe ich trocken hinterher. 
Sicher, dass du nichts trinken gehen willst? Brauchst du nicht so ein bisschen flüssiges Selbstbewusstsein, um es mit mir aufnehmen zu können? Au! Schlägst du immer direkt zu, wenn man dich ärgert? Au oh bitte, bitte verschone mich. Nicht in der Öffentlichkeit! 
Nach einer nicht enden wollenden Stunde in der er mir seine Lebensgeschichte aufzwängt, zahlt er und wir gehen. "Hast du dir das Treffen so vorgestellt heute?", will er wissen und greift so beiläufig wie möglich nach meiner Hand, als wir durch die Innenstadt spazieren. Ich ziehe sie nicht weg, es ist als wäre sie gelähmt, meine Gedanken rasen und ich bemühe mich ruhig zu atmen.
Hast du es dir so vorgestellt? Ich hatte echt die Sorge, es würde komisch werden. Du etwa nicht? Frierst du? Ey du Frostbeule, gib mir sofort deine Hände!
Er merkt nicht, dass da an seiner Hand kein Mädchen läuft, dass auch nur im Ansatz Interesse an ihm hat. Mir ist schlecht, mir ist kalt und alles was er sagt ist falsch. Es tut mir nicht leid für ihn, alles was ich spüre ist die Wut auf mich selbst, und als sich unsere Blicke treffen und ich wieder jemand anderen in ihm sehe, löse ich meine Hand aus seiner. "Ist spät geworden"
Ich weiß, dass es gleich so weit ist. So wie die anderen Male in den letzten Tagen, wird auch gleich der entscheidene Punkt kommen. Auch wenn ich die Antwort hier schon erahne, lasse ich mich darauf ein. Mir ist so verdammt schlecht.
Er zieht mich an sich ran und küsst mich, erst langsam, dann drängender. Ich habe das Gefühl zu ersticken, stelle aber kurz darauf fest, dass das viel mehr ein Wunsch als eine Befürchtung ist. Als er mich schließlich los lässt, grinst er breit. "Wow", sagt er und will wieder nach meiner Hand greifen, die ich gerade eben noch wegziehen kann. 
Langsam weicht er etwas zurück und ich warte darauf, dass die Welt sich wieder dreht. Tut sie aber nicht. Benommen wie ich bin, schaffe ich es kaum, den Blick abzuwenden, bis er sich ein weiteres Mal zu mir beugt, und mir auf die Stirn küsst. Ich hoffe, dieser Moment hier endet nie.
"Da besteht definitiv Wiederholungsbedarf" Mein Gott, warum grinst er so bescheuert. Ich wage es kaum ihn anzusehen, zum einen weil er furchtbar ist, zum anderen weil ich es bin. Und ihn benutzt habe um zu fühlen. Und ich fühle, ich fühle gerade alles  schlechte. "Ja. wenn es sich mal ergibt", rede ich mich heraus, und zwei Minuten später bin ich verschwunden. 
Vielleicht muss man sich auch nur öfter treffen. Was kann man schon erwarten, nach einem Mal. Meine Augen brennen.
Du kannst dir nicht vorstellen, wie ungern ich dich jetzt gehen lasse. Ah nein warte, was du dir wirklich nicht vorstellen kannst ist meine Vorfreude auf das nächste Mal. Guck nicht so, ich mein das ernst. Warum vertraust du eigentlich nie dem was ich sage? 

Wir hatten uns danach nicht mehr gesehen.  

Sonntag, 15. März 2015

one day, baby

First off let me say I'm drunk off of shitty wine
So I'll probably use the F word a couple times
I used to love your fucking mouth you had enough of mine
But what's the reason for, you never gave me any sign
When we were making out you kind of act like it was nothing
Like you were doing it to prove you could do it or something
You know I'm fine with getting fucked by guys who are my friends
You fucked me in a different way I guess it all depends
Texting on my day off, "Hey babe what's going on?"
"Sorry I can't make it out", sad face emoticon

Who's in love with you now?
I swear to God, I swear to God I am
Nobody really wants you 
              - Childish Gambino (The Longest Text Message)  

Ein Schlussstrich mit Bleistift wird belächelt.
Ich hatte zu oft nach dem Radiergummi gegriffen, bis man mir einen Edding gab. Als ich den Strich nachzog, wurde ich unruhig. Panisch griff ich nach dem Radiergummi, aber die halb nachgezogene Linie blieb. Ich fing also an etwas zu tun, was nicht rückgängig gemacht werden konnte. Und da saß ich nun, vor dem halben Schlussstrich.
Natürlich hätte ich ihn so lassen können. Es hätte immer den Weg zurück gegeben. Aber es hat immer noch wehgetan, als wäre es immer noch nur der Bleistiftstrich. 
Also zog ich den Schlusstrich zuende, mit Edding. Endlich. 

Ich besitze eine Kiste mit alten Briefen und Karten. Mit aufbewahrten Zettelchen aus dem Unterricht, mit Flugtickets. Eines Tages, das weiß ich sicher, öffne ich diese Kiste um sentimental mit einer Flasche Wein an alte Zeiten zu denken. Ich werde alte Briefe und Karten finden, Zettelchen und Flugtickets. Dazwischen ein gelber Post it. 
Dieser Post it wird mich an den heutigen Tag zurück bringen, das Datum steht klein links unten notiert. Ich werde einen großen Schluck Wein nehmen und die Nummer wählen, die über deinem Namen steht. Unter dem Schlussstrich wird dann ein neues Kapitel geschrieben. 
Es ist das Kapitel, für das der Autor heute noch nicht bereit ist
Es ist das Kapitel, in dem wir endlich ehrlich zueinander und zu uns selbst sind
Eines Tages, schreiben wir beide das Kapitel, in dem das Glück wieder anklopft.
Und wir es dann endlich reinlassen

Sonntag, 22. Februar 2015

message (1)

"Ich hatte dir gesagt, dass ich dich liebe. Nicht nur einmal, ich habe es oft genug gesagt. Du hast vermutlich die bisher größte Scheiße deines Lebens durchgemacht letztes Jahr, aber am Ende war ich da. Weil ich dich geliebt habe. Und dass ich auf die andere Seite der Welt gegangen bin hat daran nichts geändert. Ich bin nicht gegangen weil es aufgehört hat. Sondern weil es bei dir nie wirklich begonnen hat. Ich habe monatelang, tausende Kilometer entfernt, versucht zu verstehen warum du nie gesagt hast, du liebst mich auch. Warum du mir nur so wenig von dir erzählt hast, bis es über uns eingebrochen ist. Warum du an meinem letzten Abend vor meiner Tür standest um mir alles Gute zu wünschen anstatt zu sagen, du willst dass ich bleibe. Und jetzt, ein halbes Jahr später, nach allem was ich gehört habe was du gerade die letzten Wochen gemacht hast, ich sage dir, jetzt weiß ich warum. Es ist nicht weil ich nicht gut genug war. Oder meine Gefühle nicht ausreichend. Du hast eine Leere in dir, die kein Mann jemals füllen kann. Egal ob ich, oder der davor oder was auch immer du jetzt hast oder spätere. Niemand. Keiner wird dich jemals erfüllen, du wirst nie bei einem ankommen, und vor allem wirst du nie aufhören den Fehler beim anderen zu suchen. Obwohl es ganz allein du bist. Ich kenne dich und weiß, dass man dir daraus keinen Vorwurf machen kann. Aber ich habe endlich aufgehört mich für alles verantwortlich zu machen. Ja verdammt, ich liebe dich auch gerade jetzt. Du bist so ein abgefuckter verrückter Mensch, du machst einen so wahnsinnig und glücklich zugleich. Aber tu mir den Gefallen, und gib keinem Mann mehr das Gefühl, er würde das gleiche mit dir machen, bevor du nicht die Leere in dir selbst gefüllt hast. Er würde es nie schaffen. "

Mittwoch, 11. Februar 2015

secrets (I)

Um 16:56 ist es wieder passiert
Fünf Minuten später sitze ich zitternd zwischen meinem Kleiderschrank und der Wand. Es fühlt sich nicht mehr allzu befremdlich an, vor allem weil ich ja eh alleine bin. Bei dem Gedanken lächle ich in mich hinein. "Du bist alleine", flüstere ich mit heiserer Stimme und schaffe es kurz zu lächeln, bevor es wieder losgeht.
Schließlich greife ich mit zitternder Hand nach meinem Handy. Diesmal ist es ein ehrliches Lächeln. Es freut mich so sehr ihn glücklich zu sehen. Und ich tippe eine möglichst enthusiastische Antwort. Meine Hand zittert immer noch leicht, aber ich merke, dass es vorbei ist.
Ich wurde heute gefragt ob es besser wird
Ich wurde heute gefragt ob es denn irgendwie geht
Sie hatte meine Antwort geduldig abgewartet, es dauerte.
Ich hatte "ja" gesagt

Als sie mir sagt, ich wirke entspannter als letzte Woche, muss ich lachen. Es fühlt sich ungewohnt an, fast schon falsch. Als würde ich mit diesem kurzen Lachen etwas verbotenes tun. Mir fällt ein, dass ich mich für letzte Woche entschuldigen wollte. "Das ist nicht meine Art", füge ich hinzu und schaue aus dem Fenster.  
Sie schüttelt den Kopf aber sagt nichts. Auch eine Möglichkeit. 
Ob ich denn jetzt darüber reden möchte was passiert ist,  vor zwei Wochen, fragt sie irgendwann, nachdem sie mich lange gemustert hatte.
"Nein" Ich bemühe mich Blickkontakt zu halten, damit sie meine Unsicherheit nicht bemerkt.
"Es ist kein Thema mehr" 

Um 16:56 ist es wieder passiert

Freitag, 6. Februar 2015

Mitternachtsphilosophie (I)

"Ich frage mich, wie lange es wehtut"
Durch den kalten Wind fange ich an zu zittern, was nur durch sein lautes Lachen übertönt wird. 
"Die Frage sollte sein, ob es wehtut. Oder eher, was du da großartig mitbekommst. Die Sache wird schnell durch sein"
"Die Sache" Ich verziehe spöttisch den Mund, während ein weiterer Güterzug mit einer ohrenbetäubenden Lautstärke an uns vorbei rast. Schweigend starre ich auf die Gleise, die nur Sekunden später wieder frei sind. "Stellst du dir solche Fragen nie?"
Er zuckt mit den Schultern und zieht an seiner Zigarette "Ne irgendwie nicht. Keine Ahnung. Manchmal, ja. Wenn sowas wieder in den Nachrichten ist. Aber sonst" 
Ich spüre wie er mich von der Seite anguckt. "Und du so?"
"Hin und wieder", sage ich und lächle.
Wir schweigen für eine Weile, vielleicht weil er nicht weiß was er sagen soll, vielleicht, weil auch einfach nichts mehr gesagt werden muss. 
"Du bist ziemlich schräg", sagt er schließlich und hält mir grinsend die Zigarette hin.
"Ich weiß" Ich kann nicht aufhören leise vor mich hin zu lächeln. "Ich rauche nicht mehr"  
"Für dein Alter scheinst du mir ein ziemlich schlaues Mädchen zu sein" Er drückt seine Zigarette aus, und schaut in den Himmel. Ein paar Sternen leuchten schwach zwischen den aufgebrochenen Wolken. "Ich wäre mit zwanzig auch gerne schlauer gewesen" 
"Das Leben lehrt einen so einiges", antworte ich und das Lächeln wird etwas schwächer.
Wieder spüre ich seinen Blick von der Seite. "Das ist die Intelligenz, auf die es eigentlich ankommt"
Von weitem höre ich den nächsten Zug einfahren. 
"Ich will immer noch wissen, wie lange es wohl wehtut"
"Meine Empfehlung ist: Nicht ausprobieren" Wir lachen und mein Blick fällt auf die Automaten hinter mir. 
"Na?" Ich springe auf und krame Kleingeld aus meiner Hosentasche "Kaffee?"
"Mitten in der Nacht?" 
"Ich bin ziemlich schräg" 

Donnerstag, 5. Februar 2015

welcome to hvsteria

Ich habe in den letzten drei Tagen eine Nacht durchgeweint, eine Nacht durchgetanzt, und eine Nacht mit einem Obdachlosen im Park bei sechzig Chicken McNuggets über das Leben philosophiert. 
Ich habe auf einer Bühne gelegen und auf dem Dach eines zwanzigstöckigen Hauses gestanden. 
Ich habe mir die Haare blau getönt, nur um es danach direkt wieder auszuwaschen.
Ein alter Mann kennt jetzt meine Lebensgeschichte und ich seine. 
Mir wurden Drogen angeboten und der Beitritt in eine Sekte. 
Mir wurden Taschentücher angeboten und eine Umarmung. 
Davon habe ich nichts angenommen. 

Ich habe in den letzten drei Tagen entschieden.
Dinge, die ich seit zwei Jahren entscheiden will.
Ich habe entschieden, wohin es mich führt, wenn es mich dort wo ich bin, nicht hält. 
Und es ist so -
Wenn man weiß, was man will,
ist man ein ziemlich glücklicher Idiot. 
Wenn man glaubt zu wissen was man will, und das auf einem frisch gezüchteten Blog ausbreitet, dann ist man in erster Linie wohl nur ein Idiot.
Aber vielleicht halt auch irgendwann glücklich