Sonntag, 22. Februar 2015

message (1)

"Ich hatte dir gesagt, dass ich dich liebe. Nicht nur einmal, ich habe es oft genug gesagt. Du hast vermutlich die bisher größte Scheiße deines Lebens durchgemacht letztes Jahr, aber am Ende war ich da. Weil ich dich geliebt habe. Und dass ich auf die andere Seite der Welt gegangen bin hat daran nichts geändert. Ich bin nicht gegangen weil es aufgehört hat. Sondern weil es bei dir nie wirklich begonnen hat. Ich habe monatelang, tausende Kilometer entfernt, versucht zu verstehen warum du nie gesagt hast, du liebst mich auch. Warum du mir nur so wenig von dir erzählt hast, bis es über uns eingebrochen ist. Warum du an meinem letzten Abend vor meiner Tür standest um mir alles Gute zu wünschen anstatt zu sagen, du willst dass ich bleibe. Und jetzt, ein halbes Jahr später, nach allem was ich gehört habe was du gerade die letzten Wochen gemacht hast, ich sage dir, jetzt weiß ich warum. Es ist nicht weil ich nicht gut genug war. Oder meine Gefühle nicht ausreichend. Du hast eine Leere in dir, die kein Mann jemals füllen kann. Egal ob ich, oder der davor oder was auch immer du jetzt hast oder spätere. Niemand. Keiner wird dich jemals erfüllen, du wirst nie bei einem ankommen, und vor allem wirst du nie aufhören den Fehler beim anderen zu suchen. Obwohl es ganz allein du bist. Ich kenne dich und weiß, dass man dir daraus keinen Vorwurf machen kann. Aber ich habe endlich aufgehört mich für alles verantwortlich zu machen. Ja verdammt, ich liebe dich auch gerade jetzt. Du bist so ein abgefuckter verrückter Mensch, du machst einen so wahnsinnig und glücklich zugleich. Aber tu mir den Gefallen, und gib keinem Mann mehr das Gefühl, er würde das gleiche mit dir machen, bevor du nicht die Leere in dir selbst gefüllt hast. Er würde es nie schaffen. "

Mittwoch, 11. Februar 2015

secrets (I)

Um 16:56 ist es wieder passiert
Fünf Minuten später sitze ich zitternd zwischen meinem Kleiderschrank und der Wand. Es fühlt sich nicht mehr allzu befremdlich an, vor allem weil ich ja eh alleine bin. Bei dem Gedanken lächle ich in mich hinein. "Du bist alleine", flüstere ich mit heiserer Stimme und schaffe es kurz zu lächeln, bevor es wieder losgeht.
Schließlich greife ich mit zitternder Hand nach meinem Handy. Diesmal ist es ein ehrliches Lächeln. Es freut mich so sehr ihn glücklich zu sehen. Und ich tippe eine möglichst enthusiastische Antwort. Meine Hand zittert immer noch leicht, aber ich merke, dass es vorbei ist.
Ich wurde heute gefragt ob es besser wird
Ich wurde heute gefragt ob es denn irgendwie geht
Sie hatte meine Antwort geduldig abgewartet, es dauerte.
Ich hatte "ja" gesagt

Als sie mir sagt, ich wirke entspannter als letzte Woche, muss ich lachen. Es fühlt sich ungewohnt an, fast schon falsch. Als würde ich mit diesem kurzen Lachen etwas verbotenes tun. Mir fällt ein, dass ich mich für letzte Woche entschuldigen wollte. "Das ist nicht meine Art", füge ich hinzu und schaue aus dem Fenster.  
Sie schüttelt den Kopf aber sagt nichts. Auch eine Möglichkeit. 
Ob ich denn jetzt darüber reden möchte was passiert ist,  vor zwei Wochen, fragt sie irgendwann, nachdem sie mich lange gemustert hatte.
"Nein" Ich bemühe mich Blickkontakt zu halten, damit sie meine Unsicherheit nicht bemerkt.
"Es ist kein Thema mehr" 

Um 16:56 ist es wieder passiert

Freitag, 6. Februar 2015

Mitternachtsphilosophie (I)

"Ich frage mich, wie lange es wehtut"
Durch den kalten Wind fange ich an zu zittern, was nur durch sein lautes Lachen übertönt wird. 
"Die Frage sollte sein, ob es wehtut. Oder eher, was du da großartig mitbekommst. Die Sache wird schnell durch sein"
"Die Sache" Ich verziehe spöttisch den Mund, während ein weiterer Güterzug mit einer ohrenbetäubenden Lautstärke an uns vorbei rast. Schweigend starre ich auf die Gleise, die nur Sekunden später wieder frei sind. "Stellst du dir solche Fragen nie?"
Er zuckt mit den Schultern und zieht an seiner Zigarette "Ne irgendwie nicht. Keine Ahnung. Manchmal, ja. Wenn sowas wieder in den Nachrichten ist. Aber sonst" 
Ich spüre wie er mich von der Seite anguckt. "Und du so?"
"Hin und wieder", sage ich und lächle.
Wir schweigen für eine Weile, vielleicht weil er nicht weiß was er sagen soll, vielleicht, weil auch einfach nichts mehr gesagt werden muss. 
"Du bist ziemlich schräg", sagt er schließlich und hält mir grinsend die Zigarette hin.
"Ich weiß" Ich kann nicht aufhören leise vor mich hin zu lächeln. "Ich rauche nicht mehr"  
"Für dein Alter scheinst du mir ein ziemlich schlaues Mädchen zu sein" Er drückt seine Zigarette aus, und schaut in den Himmel. Ein paar Sternen leuchten schwach zwischen den aufgebrochenen Wolken. "Ich wäre mit zwanzig auch gerne schlauer gewesen" 
"Das Leben lehrt einen so einiges", antworte ich und das Lächeln wird etwas schwächer.
Wieder spüre ich seinen Blick von der Seite. "Das ist die Intelligenz, auf die es eigentlich ankommt"
Von weitem höre ich den nächsten Zug einfahren. 
"Ich will immer noch wissen, wie lange es wohl wehtut"
"Meine Empfehlung ist: Nicht ausprobieren" Wir lachen und mein Blick fällt auf die Automaten hinter mir. 
"Na?" Ich springe auf und krame Kleingeld aus meiner Hosentasche "Kaffee?"
"Mitten in der Nacht?" 
"Ich bin ziemlich schräg" 

Donnerstag, 5. Februar 2015

welcome to hvsteria

Ich habe in den letzten drei Tagen eine Nacht durchgeweint, eine Nacht durchgetanzt, und eine Nacht mit einem Obdachlosen im Park bei sechzig Chicken McNuggets über das Leben philosophiert. 
Ich habe auf einer Bühne gelegen und auf dem Dach eines zwanzigstöckigen Hauses gestanden. 
Ich habe mir die Haare blau getönt, nur um es danach direkt wieder auszuwaschen.
Ein alter Mann kennt jetzt meine Lebensgeschichte und ich seine. 
Mir wurden Drogen angeboten und der Beitritt in eine Sekte. 
Mir wurden Taschentücher angeboten und eine Umarmung. 
Davon habe ich nichts angenommen. 

Ich habe in den letzten drei Tagen entschieden.
Dinge, die ich seit zwei Jahren entscheiden will.
Ich habe entschieden, wohin es mich führt, wenn es mich dort wo ich bin, nicht hält. 
Und es ist so -
Wenn man weiß, was man will,
ist man ein ziemlich glücklicher Idiot. 
Wenn man glaubt zu wissen was man will, und das auf einem frisch gezüchteten Blog ausbreitet, dann ist man in erster Linie wohl nur ein Idiot.
Aber vielleicht halt auch irgendwann glücklich