Montag, 27. April 2015

Ich bin kein schlechter Mensch.
Starre dich im Spiegel an, bis es anstrengend wird. Hör nicht auf. Sag es noch einmal. Ich bin kein schlechter Mensch. 
Sag es so lange bis du es glaubst, sag es, denn es ist wichtig. Weine, weil du weißt, dass es stimmt. All diese Dinge passieren, man sagt all diese Dinge zu dir, du wirst so behandelt, du bekommst nie das was du gibst. Und welcher Grund auch immer dahinter stecken mag, was auch immer du falsch gemacht hast - Starre dich im Spiegel an, sag es, zweifle, aber sag es.
Ich war kein schlechter Mensch

Seit meinem 17. Lebensjahr hatten sich meine Ideale kaum verändert. Wer zum Beispiel gefragt hat wie mein Traummann so wäre, bekam immer zu hören, dass er groß und dunkelhaarig ist mit Bart. Erfolgreich, mit Sinn für Stil aber noch größerem Sinn für Humor. Er liebt das was er tut und weiß für was er steht. Er respektiert und akzeptiert mich und alle Dramen die ich mitbringe. Er ist ehrlich, er ist ein Arschloch, er kann streiten, er weiß wann es reicht, er lässt mich nie an seiner Liebe zweifeln. Er will die Welt sehen, er ist voller Geschichten die er mit mir teilen will. Er ist ein Idiot, aber der beste den ich mir vorstellen kann. Und natürlich kann er gut küssen, das ist selbstverändlich Grundvoraussetzung. Alle hatten mich dann immer ganz verträumt angeguckt, und ich wahrscheinlich einfach nur zu viele Bücher gelesen. 
Oder die Sache mit dem Job. Ich wusste, ich wollte den Leuten was erzählen. Geschichten aufdecken und an die Öffentlichkeit bringen. Menschen berühren und schockieren. Ich wollte etwas schaffen, was bleibt. Ich wollte gut leben können aber in erster Linie etwas tun, was mich erfüllt. Um auch genau das auszustrahlen. 
Mit 17 darf man diese Ideale haben. Es ist der Zeitraum wo man diese hat, sie aber langsam überdenken sollte. Die einen schaffen diesen Absprung, und arbeiten mit der Realität. Andere schaffen diesen Absprung nicht. 
Sie bleiben stehen. Sie springen nicht. Man schubst sie irgendwann. 

Wenn du also vor dem Spiegel stehst und sagst, du bist kein schlechter Mensch, denkst du an all die Dinge die passiert sind. Was man dir gesagt hat, was man dir nie gesagt hat. Die leeren Worte, die schwere Leere. An das was du gegeben hast, an das was du nicht zurück bekommst. An deine Wünsche, an deine Ideale, und wie weit entfernt sie sind. 
An den Moment, als man dich geschubst hat. Und du starrst dein Spiegelbild weiter und weiter an, bis du begreifst, dass man immer weiter so mit dir umgehen wird, dass das immer wieder passiert.
Weil du kein schlechter Mensch bist

Sonntag, 19. April 2015

"Ich habe noch nie Blumen geschenkt bekommen"
Seufzend lasse ich mich neben ihn auf die Wiese fallen und beobachte den kleinen Jungen, der ein paar Gänseblümchen abreißt und seiner Mutter hinhält. "Der wird mal ein Traummann"
"Jetzt echt nicht?" Er sieht verwirrt aus "Du bist 'ne Frau, euch schenkt man immer Blumen" 
"Naja okay, mit 16 habe ich mal auf unserem Dorffest bei der Tombola eine Topfpflanze gewonnen. Das ist ja auch geschenkt bekommen, irgendwo. Sie hat zwei Wochen gehalten. Pflanzen brauchen Wasser, wusstest du das?"
Er reißt die Augen auf und schüttelt den Kopf "Nein ich hatte keine Ahnung, sprich weiter!"
"Leck mich" Hinter meiner Sonnenbrille verziehe ich spöttisch das Gesicht "Ich hätte lieber den Jägermeister Strohhut gewonnen, aber das Los zog Esther Breuer" Es dauert mehrere Minuten, bis er sich wieder gefangen hat. Ben hat sich vor lachen auf der Wiese lang gemacht und hält sich den Bauch, und ich wünschte, dieser Moment würde nie enden. Wie er da liegt und ich schwach lächelnd das Gras aus dem Boden rupfe, alles fühlt sich leicht an. Es ist der perfekte Sonntag, und ich schaffe es für eine Weile auszublenden, wie sehr mich die Entwicklungen dieser Woche abgefuckt hatten. Er richtet sich wieder auf. 
"Esther Breuer klingt nach dem dicken Bauernkind, was den Jägermeister Strohhut als neues Accessoire ausführen wird", sagt er und wischt sich die Lachtränen aus den Augen. 
"Hm ja das passt tatsächlich. Aber sie ist jetzt mit diesem anderen dicken Bauernkind zusammen, und der schenkt ihr sogar Blumen, wie Facebook Bilder verraten" 
"Wow bei so viel Romantik in deinem Kaff verstehe ich gar nicht warum du nach Köln ziehst" Meine Faust landet auf seinem Oberarm und wir schweigen eine Weile, bis ich plötzlich seine Hand vor mir sehe. "Mademoiselle" Er hält mir ein Gänseblümchen hin und zieht grinsend die Augenbrauen hoch. Lachend fange ich an es auseinander zu zupfen.
"Nein ernsthaft, ich werde 21 dieses Jahr und habe noch nie Blumen bekommen. Etliche Dates, 20 Geburtstage, all die überstandenen Dramen und Nervenzusammenbrüche" Ich verdrehe theatralisch die Augen "Und kein einziges Mal Blumen" 
"Man sollte dir einen ganzen scheiß Garten pflanzen" Er lächelt mich an. "Warum ist dir das so wichtig? Es ist doch nur so ne fucking Geste, wie Pralinen."
Und dann weiß ich ausnahmsweise mal wirklich nicht was ich sagen soll, die Leichtigkeit von eben droht zu kippen. Ich versuche es mit einem kurzen Achselzucken aber er hebt abwehrend die Hand.
Also fange ich an von dieser Woche zu erzählen, den schlechten Sachen und den guten, die dank meiner nächtlichen overthinking shit-sessions auch zu schlechten Sachen wurden. "Ich frage mich einfach, warum es nie reicht. Warum habe ich noch nie das L Wort gehört? Warum noch nie Blumen bekommen"
"Du denkst das ist deine Schuld?" Er mustert mich von der Seite und ich antworte nicht. "Willst du über Berlin reden?" 
"Nein"
"Das ist jetzt fast 'nen Monat her, du weißt dass ich die Klappe halte" 
Ich lächle ihn an und er drückt meine Hand, die Sonne scheint immer noch. Und genau so soll es bleiben. 
Plötzlich steht der kleine Junge neben mir und grinst schüchtern. "Hallo" Mein Blick fällt auf die drei Blümchen die er mir hinhält und ich drehe mich um, seine Mutter sitzt hinter uns und lächelt stolz. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass sie noch da waren. 
Ben grinst und streicht mir weiter beruhigend den Handrücken. Der Kleine drückt mir die Blumen in die Hand.
"Die sind für dich" 

Samstag, 18. April 2015

[23:49]
From the start, you touched me without touching me
Tonight your words burned holes in my mind 
It's probably nothing, I don't know
But I just want your arms around my waist
And hope you never let me go again

Es ist mitten in der Nacht, und ich traue dem Frieden nicht. Ich fühle alles Gute dieser Welt, vergesse dabei gelegentlich das Atmen. Vielleicht muss ich gerade jedes verlorene Glücksgefühl der letzten Wochen nachholen, alle in einer Nacht. Meine Gedanken rasen, mein Herz macht mit. Für mich scheint nach Mitternacht die Sonne. Alles fühlt sich so leicht an und alles macht Sinn. Es ist mitten in der Nacht, und ich traue dem Frieden nicht.
Ist es vielleicht gar keiner? Wie kann man von Frieden reden, wenn in einem Krieg tobt. Ich fühle alles Schlechte dieser Welt, und habe Angst an all dem zu ersticken. Für jedes Glücksgefühl fällt mir etwas ein, was es zunichte macht. Meine Gedanken rasen, mein Herz macht mit. Es ist als würde die Sonne auf mich scheinen, aber mich kalt lassen. Wie kann etwas so Gutes plötzlich so falsch sein? Alles fühlt sich schwer an, macht keinen Sinn.
Es ist mitten in der Nacht, und nichts hat sich geändert.

[03:14]
There were so many things left I wanted to ask you, but I didn’t. 
I knew the truth would tear me apart.

Dienstag, 14. April 2015

it was 2am, and you were here
my phone was pressed on my ear
the presence of your voice 
kept me awake at night 

You know, I'm still trying to figure this shit out. How to accept, how to let go, how to move on. How to stop drowning in all those 'what if's'. I cannot say what sets you apart from the others I had before, why it is that hard. 
I should just think about how you go on with everything, meeting new people, make them fall for you but never fall for them. 
And it should make me angry. In a few months you won't even remember the colour of my eyes, will you? Or how my laugh sounded when you said something idiotic again. And for sure you're not wasting half as much thoughts on me as I still do on you. 
It really should make me angry. It really should make me hate you, how you chose to leave me here with all my unanswered questions and unsaid words. I really should hate you and I try, I try it every fucking day since then.
But all I can do is walk on the fine line between distraction and repression, pretending it would work out, just to let it devour me at night. I wish I could forget as fast as you can, saying I was just one of many. That it didn't mean anything at all. 
I wish I could do that when I have these moments and realize, we gave up on something we will never get back. Whatever it was.

it is 2am, and you're still here
my hands are pressed on my ears
the memory of your voice
keeps me awake at night 

Donnerstag, 9. April 2015

describing myself, it would be like
too much, not enough. too much, not enough
they say it is not enough to be too much
but it is. it fucking is at night when breathing gets harder
thinking about how it is still not enough,
desperately wondering how it could ever be,
when everything is always just too much
too much, not enough. too much, not enough

that is all I have
that is all I am
is that the reason why you left?
                     -  3:47 thoughts; did you feel too much or not enough?

Freitag, 3. April 2015

you are a poem that breathes

And I remember, 
It was summer when we started 
You told me about your day, and I liked it 
Only some weeks later, we jumped in each other's lives, we were on a new level
You told me how you imagine a day with me, and I liked it
Was it summer where we went wrong?

And I remember, 
It was autumn when we glowed
You told me about your dreams and fears, and I liked it
Only some weeks later, you gave me cute names, we were on a new level 
You told me how much you think about me, and I liked it 
Was it autumn where we went wrong? 

And I remember, 
It was winter when we burned
You told me where you want to kiss me, and I liked it
Only some weeks later, you finally held my hand, we were on a new level
You told me everything I ever wanted to hear, and god yes I liked it
Was it winter where we went wrong?

And I remember, 
It was spring when we faded
You told me you need space when I started seeing galaxies in your eyes, I liked them 
Only some weeks later, our heaviest conversation also became our last one, we were on a new level
You told me it is all for the best, and you know I really tried to
Was it spring where we went wrong? 


And this is what's left, 
2 a.m at night, feeling every word, every look, every touch of yours 
I am scared that time will make it harder to remember
I am scared you will never remember us at all 

And this is what's coming,
We will go out and seasons will come and go
There will be summer again and we will start again 

Maybe someday we will see, it was all about taking risks
But we will never get the answer to where we went wrong
And never get to know what could have been, if we didn't

Mittwoch, 1. April 2015

You once told me, our fingerprints don’t fade from the lives we touch. 
Is that true for everybody, or is it just poetic bullshit?
   - Remember Me (2010)


Kann man jemanden verlieren, den man nie hatte? 
Kann man damit lernen umzugehen oder bleibt das Gefühl, als würde man immer weniger Luft bekommen?
Wann fängt man an zu akzeptieren, wann hört das bereuen auf? 
Wann ist es endlich möglich die Zeit zurückzudrehen, und alles besser zu machen? 
Warum ist es für den einen immer schwerer als für den anderen? 
Warum sagt man jemandem er soll gehen, wenn man ihn in seinem Lebem haben will? Warum lässt man ihn dann wirklich gehen?
Warum tut man das? 

Wenn plötzlich die Welt zu laut ist, und dich die Stille erdrückt, du nachts nicht schläfst weil du Angst hast, dass dieser eine Traum wiederkommt, wenn plötzlich die Welt zu laut ist, wenn alles zu laut ist, hast du dann die Antwort? 
Kann man jemanden verlieren, den man nie hatte?