Sonntag, 29. März 2015

That night I went out again. Charlotte, Kyle and I went to a party down on Pear and I saw this guy called Marshall, who I knew from my Russian lit class, when we were both on the fire escape, getting some air. I usually don't smoke but I bummed a cigarette off him and when he gave it to me he half smiled. Marshall was handsome. Smart. And suddenly, more than anything I'd ever wanted in my life, I wanted him to love me. 
I stayed out there with him for nearly an hour and we talked about  a lot of things and moved closer and closer together. Eventually, we were both shivering and he asked if I wanted to go back to his apartment with him. I did. I'd never wanted anything more. But as I watched him smile back at me and zip his coat, I saw everything in the world build up and then everything in the world fall down again.
                 - Marina Keegan; Cold Pastoral

Ich wollte schreien, ich wollte nie wieder ein Wort von mir geben. Als ich dann auf dem Boden lag, wollte ich für immer liegen bleiben, doch stand auf um zu rennen. Ich rannte nicht, aber fing an zu schreien. Ich war bereit und es war mir endlich egal, ob die Welt es war. Eine Minute später lag ich wieder auf dem Boden, die Welt war zu viel für mich. Mein Atem war unruhig und ich starrte an die Decke. Ohne einen Ton, fing ich an zu weinen, die Tränen bahnten sich langsam ihre Wege durch mein Gesicht, und ich lag da, starrte an die Decke, und lächelte. In mir wurde der Wunsch größer, die Luft anzuhalten, in Gedanken rannte ich einen endlosen Weg entlang und atmete, ich atmete das Leben tief ein. Ich wollte sehen und hören. Ich wollte beides nie wieder. Mein Blick fiel auf die Kisten, ich wollte gehen. Und bleiben. Ich hatte Hunger, aber das Spektakel hier fütterte mich so gut, dass ich eigentlich doch satt war. Am liebsten wollte ich nie wieder alleine sein, aber unter Menschen wollte ich mich nicht aufhalten. Mir war warm, mir war kalt. Und als ich die Stille nicht mehr ertragen konnte, sprang ich auf. Aber dann war alles wieder normal, und alles war wieder laut. Zurück auf dem Boden wusste ich, es gab nur zwei Möglichkeiten, entweder ich hatte den Verstand verloren oder ich war verloren in meinem Verstand. Es war drei Uhr morgens und ich hatte diese zwei Erklärungen.
Bis heute hatte ich keine Idee, was wahrscheinlicher war. 

Freitag, 27. März 2015

"I hope you see pieces of me in every girl who walks through your bedroom door"
        (I see pieces of you in every boy that smiles at me) 
 
Er ist jetzt schon über zehn Minuten zu spät, und je länger ich warte, desto stärker ist der Drang zu verschwinden.
Was kann ich tun, damit du mir meine dreieinhalb minütige Verspätung verzeihst, ich bin hier in der Gegend quasi nie, ich kann mich also auch richtig zum Idioten machen.. Ah okay, ich mache mich eh schon zum Idioten oder? Ich glaube ich bin nervös. Hör auf zu lachen man. Du siehst toll aus. 
Okay so gesehen war das alles von Anfang an eine bescheuerte Idee. Ein Hoch auf mein undurchdachtes Handeln. Warum genau hatte ich diesem Scheiß hier zugestimmt? Um zu gewinnen? Es ist kein Spiel, ermahne ich mich selbst. Es war mal eins, und ich hatte es verloren.
"Sorry meine Bahn kam zu spät" Er stürzt auf mich zu und schaut mich von oben bis unten an. "Wartest du lange? Hättest dich ruhig schon reinsetzen können ne" Er sieht so dämlich aus.
Fünf Minuten später studiere ich die Liste mit Hochprozentigem, weil ich nüchtern nicht mal die Anstandsstunde hier aushalte. Er sitzt mir gegenüber, sein Blick auf mir. "Freut mich echt, dass du es geschafft hast", fängt er an. "Ich hatte schon Angst, ich bekomme dich nie zu sehen" 
Zur Antwort schenke ich ihm ein müdes Lächeln "Dann ist das ja heute dein Glückstag", schiebe ich trocken hinterher. 
Sicher, dass du nichts trinken gehen willst? Brauchst du nicht so ein bisschen flüssiges Selbstbewusstsein, um es mit mir aufnehmen zu können? Au! Schlägst du immer direkt zu, wenn man dich ärgert? Au oh bitte, bitte verschone mich. Nicht in der Öffentlichkeit! 
Nach einer nicht enden wollenden Stunde in der er mir seine Lebensgeschichte aufzwängt, zahlt er und wir gehen. "Hast du dir das Treffen so vorgestellt heute?", will er wissen und greift so beiläufig wie möglich nach meiner Hand, als wir durch die Innenstadt spazieren. Ich ziehe sie nicht weg, es ist als wäre sie gelähmt, meine Gedanken rasen und ich bemühe mich ruhig zu atmen.
Hast du es dir so vorgestellt? Ich hatte echt die Sorge, es würde komisch werden. Du etwa nicht? Frierst du? Ey du Frostbeule, gib mir sofort deine Hände!
Er merkt nicht, dass da an seiner Hand kein Mädchen läuft, dass auch nur im Ansatz Interesse an ihm hat. Mir ist schlecht, mir ist kalt und alles was er sagt ist falsch. Es tut mir nicht leid für ihn, alles was ich spüre ist die Wut auf mich selbst, und als sich unsere Blicke treffen und ich wieder jemand anderen in ihm sehe, löse ich meine Hand aus seiner. "Ist spät geworden"
Ich weiß, dass es gleich so weit ist. So wie die anderen Male in den letzten Tagen, wird auch gleich der entscheidene Punkt kommen. Auch wenn ich die Antwort hier schon erahne, lasse ich mich darauf ein. Mir ist so verdammt schlecht.
Er zieht mich an sich ran und küsst mich, erst langsam, dann drängender. Ich habe das Gefühl zu ersticken, stelle aber kurz darauf fest, dass das viel mehr ein Wunsch als eine Befürchtung ist. Als er mich schließlich los lässt, grinst er breit. "Wow", sagt er und will wieder nach meiner Hand greifen, die ich gerade eben noch wegziehen kann. 
Langsam weicht er etwas zurück und ich warte darauf, dass die Welt sich wieder dreht. Tut sie aber nicht. Benommen wie ich bin, schaffe ich es kaum, den Blick abzuwenden, bis er sich ein weiteres Mal zu mir beugt, und mir auf die Stirn küsst. Ich hoffe, dieser Moment hier endet nie.
"Da besteht definitiv Wiederholungsbedarf" Mein Gott, warum grinst er so bescheuert. Ich wage es kaum ihn anzusehen, zum einen weil er furchtbar ist, zum anderen weil ich es bin. Und ihn benutzt habe um zu fühlen. Und ich fühle, ich fühle gerade alles  schlechte. "Ja. wenn es sich mal ergibt", rede ich mich heraus, und zwei Minuten später bin ich verschwunden. 
Vielleicht muss man sich auch nur öfter treffen. Was kann man schon erwarten, nach einem Mal. Meine Augen brennen.
Du kannst dir nicht vorstellen, wie ungern ich dich jetzt gehen lasse. Ah nein warte, was du dir wirklich nicht vorstellen kannst ist meine Vorfreude auf das nächste Mal. Guck nicht so, ich mein das ernst. Warum vertraust du eigentlich nie dem was ich sage? 

Wir hatten uns danach nicht mehr gesehen.  

Sonntag, 15. März 2015

one day, baby

First off let me say I'm drunk off of shitty wine
So I'll probably use the F word a couple times
I used to love your fucking mouth you had enough of mine
But what's the reason for, you never gave me any sign
When we were making out you kind of act like it was nothing
Like you were doing it to prove you could do it or something
You know I'm fine with getting fucked by guys who are my friends
You fucked me in a different way I guess it all depends
Texting on my day off, "Hey babe what's going on?"
"Sorry I can't make it out", sad face emoticon

Who's in love with you now?
I swear to God, I swear to God I am
Nobody really wants you 
              - Childish Gambino (The Longest Text Message)  

Ein Schlussstrich mit Bleistift wird belächelt.
Ich hatte zu oft nach dem Radiergummi gegriffen, bis man mir einen Edding gab. Als ich den Strich nachzog, wurde ich unruhig. Panisch griff ich nach dem Radiergummi, aber die halb nachgezogene Linie blieb. Ich fing also an etwas zu tun, was nicht rückgängig gemacht werden konnte. Und da saß ich nun, vor dem halben Schlussstrich.
Natürlich hätte ich ihn so lassen können. Es hätte immer den Weg zurück gegeben. Aber es hat immer noch wehgetan, als wäre es immer noch nur der Bleistiftstrich. 
Also zog ich den Schlusstrich zuende, mit Edding. Endlich. 

Ich besitze eine Kiste mit alten Briefen und Karten. Mit aufbewahrten Zettelchen aus dem Unterricht, mit Flugtickets. Eines Tages, das weiß ich sicher, öffne ich diese Kiste um sentimental mit einer Flasche Wein an alte Zeiten zu denken. Ich werde alte Briefe und Karten finden, Zettelchen und Flugtickets. Dazwischen ein gelber Post it. 
Dieser Post it wird mich an den heutigen Tag zurück bringen, das Datum steht klein links unten notiert. Ich werde einen großen Schluck Wein nehmen und die Nummer wählen, die über deinem Namen steht. Unter dem Schlussstrich wird dann ein neues Kapitel geschrieben. 
Es ist das Kapitel, für das der Autor heute noch nicht bereit ist
Es ist das Kapitel, in dem wir endlich ehrlich zueinander und zu uns selbst sind
Eines Tages, schreiben wir beide das Kapitel, in dem das Glück wieder anklopft.
Und wir es dann endlich reinlassen