- Girl, Interrupted (1999)
Alles wird gut.
Der Anblick hatte mir nie gefallen in den letzten anderthalb Jahren. Man guckt direkt auf diese Tankstelle und die laute Straße. Entspannen konnte ich hier nie. Bei dem Gedanken muss ich kurz lachen. Stimmt ja, ich kann auch sonst nirgendwo entspannen. Vergessen wir das.
"Das ist ziemlich viel Kram den du da mitnimmst", sagt er und zieht mir die Zigarette aus dem Mund, die ich eigentlich nicht rauchen sollte. Leider hat er recht. Keine Ahnung warum ich so viel Scheiß besitze, aber ich hatte keinen Moment daran gezweifelt, den Scheiß genau so mitzunehmen. "Hatte keine Zeit zum aussortieren", verteidige ich mich halbherzig und versuche erfolglos zurück an meine Zigarette zu kommen. Kurzerhand drückt er sie aus. "Das ist Verschwendung", protestiere ich.
"Ja, von Lebenszeit" Er grinst und stützt sich auf die Brüstung. "Ausmisten hat noch nie geschadet. Altlasten loswerden, Neuanfang und so. Oder hast du eine besondere Bindung zu diesen Glamour Ausgaben von 2013?"
"Ach die hab ich noch! Okay es ist ernster als ich dachte" Lachend verdrehe ich die Augen und wir schweigen eine Weile, während wir den Verkehr auf der Straße beobachten. Ich spüre wie er mich beobachtet. "Du hast Schiss, richtig?"
"So richtig großen, ja", entgegne ich ohne groß überlegen zu müssen.
"Was ist das worst case Szenario?"
"Wieder zu scheitern. So zu enden wie letztes Jahr. Die Liste ist lang"
"Für dich ist immer jede Desorientiertheit und jedes Umdenken scheitern. Dabei sind es einfach alles nur Etappen auf deinem Weg. Ankommen wirst du trotzdem irgendwann mal irgendwo"
Beleidigt verzieht er das Gesicht als ich anfange zu lachen "Kann es sein, dass du die Glamour Ausgaben von 2013 inklusive Lebenstipps überflogen hast?
Er grinst. "Erwischt. Zumindest weiß ich jetzt auch, dass ich in der Saison 2013/14 absolut nicht im Trend war. Hättest du mir ja mal sagen können damals" Er wendet sich ab und geht rein um meine Kisten weiter rauszutragen. Mein Blick fällt wieder auf die Tankstelle und die ganze Szenerie, die sich mir bietet. Ich werde das alles keinen Tag in irgendeiner Weise vermissen, aber ich weiß, dass ich dieses Leben hier jetzt so nicht mehr leben kann. Ich bin gezwungen alles zu ändern. Und davor so richtig großen Schiss zu haben, war noch untertrieben.
Mir wird wieder bewusst, dass es nicht an dem Anblick hier lag. Auch in der neuen Stadt werde ich manche Anblicke nicht ertragen können und mich nach Schönerem sehnen. Es liegt nicht nur an dem was sich mir bietet. Es liegt an den Augen, die es ansehen.
An dem Menschen, der all diese Anblicke geboten bekommt und ihnen eine Wertung gibt. Das Schlechte sieht. Es liegt an dem Menschen.
Es liegt an mir. Ich nehme mich mit, und führe den alten Kampf in einer neuen Stadt weiter. Der Kampf, nicht wieder zu scheitern.
Der Kampf gegen mich selbst.
Weißt du, ich wusste schon vor diesem Blog, dass wir was gemeinsam haben. Und damit meine ich nicht nur diese eine kleine Stelle in unserer Biografie über die man nicht redet. Interessant zu sehen, was wir noch alles gemeinsam haben :)
AntwortenLöschenArgh sowas darfst du doch nicht schreiben ohne zu sagen wer du bist! :D
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